Das Anlagenverzeichnis und Absetzung für Abnutzung (AfA) in Österreich

Zuletzt aktualisiert am: 6.12.2017

Anlagegüter sind Gegenstände die Ihnen mehr als 1 Jahr beruflich dienen (z.B Computer, Drucker, Möbel, usw.).

Österreichische Unternehmer sind verpflichtet Anlagegüter über die geschätzte Nutzungsdauer (anstatt sofort), (üblicherweise jährlich durch einen festen Betrag) abzuschreiben (als Ausgabe geltend zu machen) und dies in einem Anlagenverzeichnis zu dokumentieren.

Anlagegüter brechen das Zufluss-Abfluss-Prinzip der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung. Die Betriebsausgabe (erste Abschreibung) wird nämlich zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme geltend gemacht (auch wenn noch gar nicht bezahlt).

Ausnahme sind Anlagegütern, deren Nettowert bzw. bei Kleinunternehmern den Bruttowert von 800 € (ab 2020) nicht übersteigt. Diese sog. “Geringwertigen Wirtschaftsgüter” dürfen sofort als Ausgaben in der EA-Rechnung geltend gemacht werden und muss man nicht im Anlagenverzeichnis dokumentieren.

Die betrieblichen Ausgaben für Anlagegüter und geringwertige Wirtschaftsgüter werden in der Jahreseinkommensteuererklärung unter der Kennzahl 9130 zusammengefasst (siehe Formular E1A).

 

Tutorial-Video: Anlagenverzeichnis in Österreich – 8:15

Spaltenbeschreibung eines österreischischen Anlagenverzeichnisses

Analagenzeichnis Spalten 1 bis 6

Lfd. Nr. (Pflichtfeld)

Laufende Nummer: Einzigartige Nummer für jedes Anlagegut (AG). Die EA-Tabelle verwendet den Präfix “AG-” den Sie natürlich auch weglassen können.

Jahr, Monat und Tag (Pflichtfeld)

Datum der Anschaffung bzw. Herstellung (falls selbst hergestellt). Normalerweise zählt für die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung das Datum der Bezahlung. Anders bei der AfA zählt das Datum an dem das Anlagegut betrieblich tatsächlich genutzt wird. Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten müssen noch nicht beglichen sein.

Lieferant (Pflichtfeld)

Namen und genaue Adresse des Lieferanten

Bezeichnung des Anlageguts (Pflichtfeld)

Genaue Bezeichnung um welches Anlagegut es sich handelt

Analagenzeichnis Spalten 7 bis 10

KOSTEN NETTO €

Die netto Anschaffungs- oder Herstellungskosten des betreffenden Wirtschaftsgutes. Zu den Anschaffungskosten zählen nicht nur der eigentliche Kaufpreis, sondern alle Aufwendungen, die erforderlich sind, das Wirtschaftsgut in den Besitz des Unternehmens gelangen zu lassen und es für dieses nutzbar zu machen (Anschaffungsnebenkosten).

  • Transportspesen
  • Zölle
  • Vermittlungsprovisionen
  • Anwalts- und Notarhonorare
  • Grunderwerbsteuer
  • Montage-, Installierungs- und Fundamentierungskosten

Derartige Aufwendungen müssen zum Kaufpreis dazugerechnet werden. Sie erhöhen also die Anschaffungskosten und stellen letztlich die eigentliche Abschreibungsbasis dar.

Beispiel: Um das neu angeschaffte Computer netzwerk in Betrieb nehmen zu können, sind umfangreiche Arbeiten eines Elektroinstallateurs in den Büroräumlichkeiten erforderlich. Die tatsächlichen Gesamtkosten stellen keinen Instandhaltungs- oder Reparaturaufwand dar, vielmehr erhöhen sie die Anschaffungskosten des Wirtschaftsgutes „Computernetzwerk“.

Bei den Herstellungskosten ist ähnlich vorzugehen. Sämtliche Aufwendungen bilden die Abschreibungsbasis. Bei in eigener Regie hergestellten Wirtschaftsgütern sind die Materialkosten und Fertigungslöhne, die Sonderkosten der Fertigung (Planungs- und Entwicklungskosten) sowie die Material- und Fertigungsgemeinkosten anzusetzen.

Privatanteile müssen übrigens manuell vom Nettopreis abgezogen werden. 

Nutzungsjahre (Pflichtfeld)

Die Kosten müssen gleichmäßig auf die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer verteilt werden. In der Praxis haben sich gewisse Richtwerte entwickelt. In Deutschland gibt es sogar amtliche AfA-Tabellen, die in Österreich als Orientierungshilfe dienen kann

Zum Beispiel

  • 3 Jahre: PC, Notebooks und deren Peripheriegeräte (Drucker, Scanner, Bildschirme u.ä.)
  • 8 Jahre: KFZ (in Österreich gesetzlich festgelegt)
  • 5-10 Jahre: Betriebs- und Geschäftsausstattung

AfA-Betrag

Die EA-Tabelle berechnet diesen Wert automatisch sobald Kosten [7] und Nutzungsjahre [8] angegeben sind. 

In jedem Jahr der Nutzung darf nur ein gleich bleibender Abschreibungsbetrag geltend gemacht werden (lineare AfA). Um den jährlichen AfA-Betrag zu errechnen, dividiert man die Anschaffungs- oder Herstellungskosten durch die in Jahre ausgedrückte Nutzungsdauer.

Hinweis: Achten Sie bitte darauf, dass Sie die jährlichen Abschreibungsquoten immer in richtiger Höhe ansetzen. Denn: Vergessene Abschreibungen dürfen in späteren Jahren nicht nachgeholt werden!

Restbuchwert des vorherigen Jahres

Die EA-Tabelle ermittelt automatisch anhand des angegebenen Jahres [2] ob ein Restbuchwert notwendig ist. 

Wenn Sie dieses Anlagegut bereits im letzten Jahr aktiviert hatten, tragen Sie bitte hier den Restbuchwert des letzten Jahres ein, die EA-Tabelle wird Sie automatisch mit dem Text “Restbuchwert eingeben” dazu auffordern. Falls Sie das Anlagegut erst dieses Jahr in Betrieb genommen haben, dann lassen Sie dieses Feld einfach frei.

Analagenzeichnis Spalten 11 bis 14

Halbjahres-AfA?

Die EA-Tabelle ermittelt automatisch diesen Wert anhand des angegebenen Jahres [2] und Monats [3].  Für den Beginn der AfA ist nicht der Anschaffungs- oder Herstellungszeitpunkt, sondern in der Regel der Zeitpunkt der Inbetriebnahme des jeweiligen Wirtschaftsgutes entscheidend. Zu beachten ist aber, ob die Inbetriebnahme des Anlagegutes im 1. Halbjahr (so genannte „Ganzjahresabschreibung“, wie im Beispielsfall) oder im 2. Halbjahr (so genannte „Halbjahresabschreibung“) erfolgt. Die Halbjahres-AfA findet Anwendung, wenn ein Wirtschaftsgut im betreffenden Jahr nicht mehr als sechs Monate vom Unternehmen genutzt wird. In diesem Fall wird nur die Hälfte des AfA-Betrags [9] abgeschrieben. Im Gegensatz dazu wird bei der Ganzjahres-AfA der volle Jahresbetrag abgeschrieben.

Abschreibung

Die EA-Tabelle berechnet automatisch diesen Wert.

Der Abschreibungsbetrag (€) den Sie dieses Jahr als Ausgabe geltend machen dürfen. Wenn keine Halbjahres-AfA [11] erforderlich ist, dann entspricht der Werte dem AfA-Betrag [9]. Um den Abschreibungsbetrag auch wirklich in Ihrer EA-Rechnung miteinzubeziehen, müssen Sie den Betrag als Ausgabe im Tabellenblatt A eintragen.

Restbuchwert (Pflichtfeld)

Die EA-Tabelle berechnet diesen Wert automatisch Der Anlagenwert (Restbuchwert) der für Abschreibung des nächsten Jahres übrig bleibt.  Diesen Werte müssten Sie auch in Ihr Anlagenverzeichnis des nächsten Jahres als Restbuchwert des letzten Jahres [10] übernehmen.

Erinnerungscent Ist das Anlagegut nach beendeter Nutzungsdauer weiter in Verwendung stehen, bleibt ein so genannter “Erinnerungs-Cent” übrig, bis die Büromöbel endgültig aus dem Unternehmen ausscheiden. Ist das Anlagegut am Ende seiner Nutzungsdauer, so muss es im Anlagenverzeichnis weiterhin eingetragen bleiben.

Fragen und Antworten

Wie verbuche ich verkaufte, zerstörte oder verlorene Anlagegüter?

Beispiel: Ein Anlagegut (AG), das im Oktober 2021 aktiviert wurde und das jetzt am 30. Mai 2022 verkauft oder zerstört/verloren wurde.

Die Abschreibung in diesem Jahr (1666,66 €) bleibt unberührt.

Den Restbuchwert (2500,01 €) ändern wir manuell auf 0,01 €.

Den Betrag (des Restbuchwerts) buchen wir nun manuell im Blatt A als Betriebsausgabe. Bei Verkauf oder Zerstörung unterscheidet sich die Ausgaben-Art:

  • Beim Verkauf eines AG: Ausgaben-Art Restbuchwert verkaufter Anlagegüter oder eigene erstellen. Die Spalte E1A-Kennzahl wird damit der Kennzahl 9210 zugeordnet.
  • Bei Zerstörung eines AG: Ausgaben-Art Zerstörte Anlagegüter oder eigene erstellen. Die Spalte E1A-Kennzahl wird damit der Kennzahl 9230 zugeordnet.

Beim Verkauf ein AG entstehen zusätzlich Einnahmen: Diese buchen wir im Blatt E, mit der Einnahmen-Art: Verkauf Anlagegüter und der damit verbundenen E1A-Kennzahl 9060.

 

Quelle: Gemäß dem Formular E2, Ausfüllhilfe für die Einkommensteuererklärung E1a, werden die Restbuchwerte für Anlagegüter unter der Kennzahl 9210 geltend gemacht. Kaputt-gegangene Anlagengüter hingegen werden unter der Kennzahl 9130 gebucht.

Tipp: Achten Sie aber darauf, die Ausscheidung des Anlagenguts (besonders wenn vorzeitig der Fall) zu dokumentieren (z. B. Entsorgungsschein), um spätere Diskussionen zu vermeiden.

Was mache wenn ein Anlagegut vollständig abgeschrieben wurde? (Erinnerungscent)

Die einfache Regel ist: Solange ein Gegenstand noch im Unternehmen vorhanden ist (nicht verkauft, zerstört, etc.), bleibt dieser auch im Anlagenverzeichnis, mit einem Restbuchwert von 0,01 €, dem sogenannten Erinnerungscent, erhalten.

 

Haftungsausschluss

Die Inhalte auf dieser Seite wurden zwar mit Sorgfalt erstellt, garantieren aber keine Rechtssicherheit oder Aktualität. Der Ersteller ist nicht berechtigt, buchhalterische Auskünfte zu geben. Bitte lesen Sie selbst die offiziellen Publikationen des BMF und der WKO bzw. lassen Sie sich von Ihrem Finanzamt oder einem zertifizierten Steuerberater beraten.

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